Manche Menschen treten in unser Leben und werden in kurzer Zeit zu etwas, das man nicht planen kann: zu Heimat. Franziska – unsere Fanny – war so ein Mensch. Und darum ist es so schwer zu fassen, dass sie unverhofft am 19. Januar von uns gegangen ist, im 69. Lebensjahr.
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Fanny war Bildhauerin, Künstlerin und eine begeisterte Amateurschauspielerin. Wer sie je erlebt hat – im Atelier, auf einer Bühne, in einem Probenraum oder einfach am Küchentisch – weiss: Sie hatte diese besondere Gabe, dem Leben Form zu geben. Manchmal ganz buchstäblich, wenn unter ihren Händen aus Material eine Figur wurde. Manchmal im Spiel, wenn sie Rollen nicht nur «verkörperte», sondern ihnen Würde, Tiefe und Wahrheit gab. In unzähligen Theateraufführungen und Szenenspielen hat sie tragende Rollen übernommen – und oft genau jene, die ein Ensemble zusammenhalten: zuverlässig, präsent, mutig, mit wachem Herzen.
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Gerade in meinem letzten Theaterprojekt «Der ungarische Graf» wurde das noch einmal besonders sichtbar: Fanny wirkte nicht nur als Darstellerin, sondern vor allem auch als Bühnenbildnerin. Ihr Bühnenbild war ein wahres Gesamtkunstwerk – durchdacht, atmosphärisch.. Es hat dem Stück einen eigenen Zauber gegeben und wurde vom Publikum spürbar geschätzt. Wer im Saal sass, hat gemerkt: Da arbeitet jemand, der nicht einfach «dekoriert», sondern einen Raum schafft, in dem sich eine Geschichte wirklich ereignen kann.
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Doch bei aller künstlerischen Kraft war Fanny vor allem eines: ein Mensch, der für andere da war. Hilfsbereit – bis zur Erschöpfung. Sie konnte sich verausgaben, weil sie helfen wollte, weil sie hinsah, weil sie spürte, wo jemand Unterstützung brauchte. Diese Grosszügigkeit war ein Geschenk – und manchmal auch eine Last, die sie zu still getragen hat. Umso mehr bleibt jetzt der Wunsch, sie möge an einem Ort sein, wo nichts mehr drückt, wo sie leicht ist.
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Für mich persönlich ist dieser Abschied besonders schmerzhaft, weil Fanny das war, was man eine echte Freundin nennt. Eine, die Vertrauen lebt. Eine, die verlässlich bleibt. Eine, die loyal ist, ohne laut davon zu sprechen. Eine, die nicht urteilt und nicht «bei anderen» über einen redet – sondern den Mut hat, direkt miteinander zu reden, wenn es Missverständnisse gibt, wenn etwas verletzt, wenn es Klärung braucht. Mit Fanny war Verbundenheit etwas Selbstverständliches. Vielleicht auch, weil sich über die Jahre ähnliche Erfahrungen angesammelt haben: das Leben mit seinen Brüchen, seinen Fragen, seiner Kreativität – und diesem stillen Wissen, dass man einander nicht erklären muss, um sich zu verstehen.
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Seit 2018 war sie plötzlich da, diese wertvolle Freundin: Franziska, Fanny. Und jetzt ist sie weg. Dieser Satz ist so einfach – und er passt doch nicht in den Mund. Trauer hat keine elegante Sprache. Sie ist ein inneres Stolpern, ein plötzlicher Schatten in einem Raum, der eben noch hell war. Ich vermisse sie. Ich vermisse ihre Art. Ihr Lachen. Ihre Energie. Ihre Klarheit. Und diese seltene Wärme, die nicht gefällig ist, sondern echt.
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Wenn ihr an Fanny denkt, dann denkt vielleicht auch an das, was sie in die Welt gebracht hat: an ihre Kunst, an ihr Spiel, an ihre Spuren. Und – wenn es euch möglich ist – tragt sie in euren Erinnerungen weiter. So, wie man ein Licht nicht festhalten kann, aber doch weiss, dass es einmal geleuchtet hat.
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