Iris Minder

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E chly zrügg luege (37)

Liebe Leserin
Lieber Leser

Mein heutiges «Zrüggluege» könnte ein «Chrüsimüsi» an Themen werden. Ich lasse mich einfach mal drauf ein. Ein Thema allerdings ist mir sehr wichtig. Es hat mich dazu gebracht, wieder einmal einen Blog zu schreiben. Heute, Samstag, bin ich von den reformierten Frauen Grenchen zum Frauezmorge ins Zwinglihaus eingeladen worden, um übers Theaterschaffen zu berichten. Und dieses Treffen hat mich recht nachdenklich gestimmt.

Willkommen sein!

Wir, das heisst Nadja Rehli vom Kindertheater BLITZ und ich, haben staunend den fürs Zmorge abgetrennten Raum des Saales betreten. Erstaunt deshalb, weil die Tische kunstvoll und mit Liebe gedeckt waren. Viele kleine, bunte Blumensträusse, frisch aus dem Garten gepflückt, standen verteilt zwischen den Gedecken, saftig grüne Buchenzweige bildeten einen Läufer über die Tische und für jeden Gast lag am Platz ein süsser Schoggimandelmaikäfer. Diese liebevolle, kreative und einladende Dekoration gibt jedem das Gefühl willkommen zu sein und hat mich sehr berührt. An der Wand erfreute uns ein sorgfältige gestaltetes, vielfältiges Zmorgebuffet. Nicht einfach nur hingestellt, sondern verfeinert und verschönert mit Kräutern, Blumen, alles wunderschön drapiert.

Die Frauen, alle eher höheren Alters, trudelten langsam ein. Ich spürte die Freude sich wieder zu treffen, erneut Kontakt zu haben, zu erzählen und sich austauschen zu können. Die ganze Atmosphäre war geprägt von diesen liebevollen Vorbereitungen für die Gäste und deren Freude an der Gemeinsamkeit.

Brücken zwischen Menschen

Hier wird Kirche gelebt. Diese äusserst wichtige und wertvolle Aufgabe der Kirche zeigt sich bei diesem Zmorge für mich sehr eindrücklich. Das soziale Engagement, das Verbindende. Diese soziale Aufgabe erfüllt – vielleicht nicht die Kirche als solches – sondern die Menschen, die sich in der Kirche engagieren, ihnen einen Ort des Austausches und eine Art Heimat zu bieten. Viele Menschen wollen mit der Kirche nichts mehr zu tun haben – teilweise absolut verständlich. Aber hier, diese Frauen der reformierten Kirche Grenchen, die als Freiwillige so vielen Frauen ermöglichen sich in Gesellschaft austauschen zu können, zeigen, was Kirche wirklich bedeutet: Soziales, menschliches Engagement. Und dies nicht einfach so, weil man glaubt, es tun zu müssen! Nein, sie tun es von Herzen und weil es zum Menschsein gehört: Sich für andere zu engagieren, für andere da zu sein. Sie sind nämlich genau das, was ich in meiner letzten Atelierproduktion versucht habe zu vermitteln: Brückenbauerinnen von Mensch zu Mensch. Das ist für mich gelebtes Christentum. Und dafür soll man die Kirche unterstützen, für diese grosse soziale Aufgabe. Es ist in unserer digitalisierten Welt, in unserer momentan irren Welt, ganz besonders wichtig. Wir sind analoge Figuren, lebende aus Fleisch und Blut. Wir brauchen andere Menschen, den Austausch, das Miteinander.

Damals in Emmenbrücke

Zu meiner Zeit als Kind und Jugendliche, als Reformierte im sehr katholischen Luzern, hat uns die reformierte Kirche zusammengeschweisst. Sie war Treffpunkt, hat uns gestärkt und auch Halt, Verbundenheit und Zugehörigkeit gegeben. Es wäre schön, wenn diese zentrale Aufgabe wieder ganz in den Vordergrund rücken würde. Keine Ahnung, warum dies alles verloren ging, warum so viele Menschen, von alt bis jung, sich einsam fühlen. Die sogenannten sozialen Medien können das nie ersetzen, im Gegenteil. Wie schon erwähnt: Wir sind analoge Wesen und keine digitalen Roboter. Danke, ihr engagierten und herzlichen Frauen vom Frauezmorge. Ihr habt mich daran erinnert, was wesentlich ist und was Kirche da bewirken kann. Danke!

Kinder und Senioren

Nadja und ich sind eingeladen worden, um über unser Theaterschaffen zu erzählen, über Vergangenes, Kommendes und die grosse Freude mit Menschen Welten erschaffen zu können. Aber, auch über Probleme und die grosse Arbeit, die hinter jeder Produktion steckt. Wir haben auch darüber gesprochen, dass es uns manchmal traurig macht, das man so allgemein Kinder- und auch Seniorentheater als eher minderwertig, als nicht richtiges Theater betrachtet und dann jeweils nur die Verwandten und engeren Freunde an die Vorstellungen kommen. So die Vorstellung: Die «theäterlen» ein wenig, so ein wenig auf der Bühne herumlaufen … u.ä. So ist es nicht. Ganz und gar nicht. Hinter jeder Produktion vom Kindertheater BLITZ von Nadja steckt ein Jahr intensive Arbeit. Die Kinder durchlaufen sozusagen eine Schule fürs Leben, lernen sich zu präsentieren, zu konzentrieren, aufeinander einzugehen, zuzuhören, sich auszudrücken uvm. Die Stücke sind kreativ, gescheit und lustig und würden so vielen Menschen einen Abend voller Staunen und Schmunzeln schenken. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtorchester Grenchen ist schon fast legendär.

Genauso ist es mit der Seniorenbühne «theater, JAWOHL». Es ist ernsthaftes Theater, hinter dem sehr viel Arbeit steckt, wie beim BLITZ. Es ist nicht einfach nur eine Freizeitbeschäftigung, weil man sonst nichts zu tun hat. Es wird ein Jahr lang intensiv gearbeitet. Das JAWOHL hat sich einen guten Namen schaffen können. Engagements von Gemeinden, Kirchen und anderen Institutionen für ihre Senioren- und Familienanlässe sind der Beweis dafür. So spielte JAWOHL in Basel, Zürich, Luzern, Bern, Bätterkinden, Utzenstorf, Langendorf, Solothurn, Koppigen, Signau. An den Theatertagen in Aarau erhielt JAWOHL den dritten Preis für die Produktion «Ein Koffer voller Erinnerungen – Kinder der 30er/40er Jahre”. Ja, auch Seniorentheater ist echtes, seriöses Theater und garantiert jeweils einen erinnerungswürdigen Abend.

 

 

Auch das ist Theater

Nadja und ich hatten uns an besonders lustige Momente unserer dreizehnjährigen Zusammenarbeit erinnert. Das möchte ich hier noch anbringen.

Beim Freilichtspiel «D Belle und ds Biischt» musste der Vater verzweifelt ausrufen: «Das isch alles für d Chatz!» Und genau in diesem Moment erschien die Schlosskatze Felix auf der Bühne und stolzierte vor den Zuschauern von einer Seite zur andern. Zuschauer und sogar die Spieler konnten fast nicht mehr aufhören zu lachen.

Ein weiteres Beispiel: Ich bekam den tollen Auftrag von der GAW ein Szenenspiel in Solothurn zum Thema Technikentwicklung im Sektor elektronische Medien von Telefon über Radio zu Fernsehen bis hin zum Internet durchzuführen. Eine Herausforderung! Ich habe dann in verschiedenen Szenen diesen Weg spielerisch dargestellt. So auch geschichtemachende Fernsehsendungen und deren Persönlichkeiten. Eine davon – sie war ja lange äusserst präsent im deutschsprachigen Fernsehen – war Uriella mit ihrer Sekte «Fiat Lux». Beim Proben vor Ort bekamen wir plötzlich Besuch von der Polizei. Warum? Jemand hat telefoniert, dass da bei der Schanze eine Sekte ihr Unwesen treibe!

So gäbe es noch einiges zu erzählen. Vielleicht ein anderes Mal.

Herzlich wünscht Ihnen eine gute Zeit

Ihre Iris Minder

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