Iris Minder

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E chly zrügg luege (40)

Liebe Leserinnen
Liebe Leser

Gerade bin ich etwas erschrocken, als ich die Zahl meiner Beiträge gesehen habe. Vierzigmal habe ich mich über irgendein Thema geäussert. Das ist mir gar nicht bewusst gewesen.

Ich hatte nur das Gefühl, nichts mehr zu sagen zu haben. Das ist auch der Grund, weshalb ich den letzten Blog im Januar 2026 geschrieben habe.

Hanspeter Gautschin, ein wertvoller Kollege, mit dem mich seit Jahren viele gemeinsame Wege verbinden und der meine Website betreut, hat mich bei einem Besuch des Grabes von Franziska Beck, einem Fischessen an der Aare und einem Spaziergang zu den Störchen motiviert, doch weiterzuschreiben.

Ungeliebtes, aber treues Chaos

Chaos nach Derniere vom UNGARISCHEN GRAF.

Ich versuche ja immer, überall alles ordentlich abzulegen und hinzustellen. Bücher, Papier, Kleider und all das kleine Zeug, das da so vorhanden ist. Es gelingt mir. Aber vielleicht nur für ein paar Stunden oder ein paar Tage. Es ist ein ewiger Kampf.

Nehmen wir mein Auto. Ich räume alles leer. Dann will ich in den neuen Tag losfahren. Das geht jedoch nicht so einfach. Nehmen wir einfach einen Mittwoch. Da steht der tägliche Spaziergang mit Mira im Wald an. Es hat geregnet. Also muss ich Schuhe mitnehmen, die dafür geeignet sind.

Dann gehe ich heute zur Physiotherapie Langendorf zum Fitnesstraining. Das bedeutet Turnschuhe, Frottiertuch, T-Shirt und Trainerhosen einpacken. Heute heissen Turnschuhe ja Sneakers oder so. Oder sind Sneakers diese Erdnussriegel?

Und nicht zu vergessen: das Eau de Cologne mit Lavendel. Man will ja schliesslich nicht stinken.

Dann brauche ich zum Arbeiten: Laptop, zwei Textbücher, meine in Leder gebundene Papieragenda und dazu das Essen von Mira. Für mich muss ich ja auch noch etwas einpacken. Kommt billiger. Beides in Plastikdosen, die dann wieder leer zurückgefahren werden müssen, um neu gefüllt zu werden. Oder sie bleiben manchmal im Auto noch etwas liegen.

Dann sollte ich endlich in den Kostümfundus und die grosse Tasche mit Kostümen zurückbringen, die noch hinten im Kofferraum liegt. Seit einem Monat. Oder länger.

Diese Tasche liegt neben einem grossen Behälter, in dem alles Notwendige für Notfälle gut versorgt ist. Regenkleidung, WC-Papier, Putzmittel inklusive Küchenrolle, Enteiser – der bleibt halt auch den Sommer über drin –, Abschleppseil, ein zusätzlicher Napf für Mira, Frottiertuch, Besteck, Kartonteller, Schnur, Schere, Sackmesser und … und … und.

Aber zu meiner Verteidigung: Das alles liegt, ungeordnet zwar, aber doch in einem grossen Plastikbehälter.

Ah ja. Einkaufstaschen müssen auch noch rein, weil ich einen Grosseinkauf tätigen muss. Stimmt, und die Getränkeflaschen für die Entsorgung. Und?

Was ist jetzt mit meinem leeren Auto? Vollgestopft. Chaotisch. Ach herrje.

Und am nächsten Tag werde ich Christine zum Gitarrenunterricht abholen. Ich weiss schon jetzt, dass ich es wie immer machen werde: Den ganzen Haufen beim Beifahrersitz in die Arme nehmen und in den Kofferraum stopfen. Christine soll schliesslich einen ordentlichen Sitz vorfinden. Wer sind wir denn!

Ich glaube, Chaos ist ein Teil meines Lebens.

Ich erinnere mich noch sehr gut, dass wir damals im Kinderzimmer eine Holzkommode hatten. Gedeckt war sie mit einer Marmorplatte. Ich schaffte es immer wieder, diese Platte mit allem Krimskrams sicher dreissig Zentimeter hoch zu bedecken.

Meine Mutter musste mir immer und immer wieder sagen, alles aufzuräumen. Nach wiederholten mahnenden Worten tat ich es dann und räumte ziemlich radikal auf. Dabei entsorgte ich auch einiges. Später vermisste ich dann sicher genau das, was ich fortgeworfen hatte. Dies nur so nebenbei.

Eine saubere Marmorplatte! Drei Tage? Vier Tage?

Ich hätte es gerne leer, frei, ordentlich und alles picobello. Wirklich. Sehr, sehr gerne. Es gefiele mir ausserordentlich. Aber die Dinge scheinen mich zu verfolgen. Sie führen ein Eigenleben, ziehen sich gegenseitig an und häufen sich wie von selbst. Ich bin machtlos dagegen.

Familienfoto mit mir im Vordergrund.

Worüber ich wirklich schreiben wollte

Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie Frauen im gleichen Alter in den 1950er- und 1960er-Jahren und heute aussehen.

Wie bin ich darauf gekommen?

Ich habe in meinem Büchergestell ein Abteil mit alten Alben und Fotoordnern. Ich suchte etwas, dabei fielen drei Alben auf den Boden. Sie waren verstaut, aber vielleicht nicht perfekt ausgerichtet. Vielleicht ein bisschen zu schräg.

Ein Familienfoto mit Mutter, Grossmüttern, Tanten und den entsprechenden männlichen Verwandten fiel heraus. Eigentlich wollte ich das Foto – nicht die Verwandten – schon lange wieder einkleben. Gut, Hauptsache, es ist im richtigen Album. Oder?

Gerade die Grossmütter waren bei der Aufnahme in meinem heutigen Alter oder sogar jünger. Aber sahen die alt aus!

Und darüber wollte ich schreiben.

Aber dann hat sich das mit dem Chaos und dem grossen Wunsch und Bemühen nach klarer, geordneter und übersichtlicher Aufgeräumtheit in den Vordergrund gedrängt.

Das Alter kann also warten.

Seien Sie alle herzlich gegrüsst.

Ihre Iris Minder

4 Kommentare

  1. Ja, es ist wirklich krass, wie jung manche Menschen heutzutage aussehen…
    Manchmal habe ich das Gefühlt, dass junge Menschen immer älter und ältere Menschen immer jünger aussehen.
    Wahrscheinlich liegt es an den vielen kosmetischen Produkte, die junge Menschen auf ihr Gesicht verteilen. Ältere Menschen müssen nicht mehr draussen arbeiten, denn zu viel UV-Strahlen über eine lange Zeit hinweg, kann das Gesicht eines Menschens viel älter aussehen lassen.
    Nun ja, es ist nur eine Vermutung.
    Danke für den Beitrag!! ♥️

  2. Mir geht’s ganz ähnlich , allerdings wurde mir mal von einem lieben, sehr weisen Menschen gesagt, daß manche Menschen um im Inneren Ordnung zu haben, einfach irgendwo im Äußeren ein wenig Chaos/ Unordnung brauchen …

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