Iris Minder

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E chly zrügg luege?

Liebe Leserinnen
Liebe Leser

Wie sicher viele, mache ich mir so meine Gedanken über die momentane Weltlage. Abgesehen von der Unzahl an Kriegsherden beschäftigt mich gerade besonders das menschliche Verhalten. Trotzdem blicke ich zuerst – politisch – ganz kurz zurück in meine Kindheit und Jugend in den 50er bis 70er Jahren.

Ein Minirückblick

Die USA und alles, was von dort kam, erschien uns hier wie ein Leuchtturm: Essen, Kleidung, Musik, Lebensstil. Man sang ein politisches Loblied auf diese Nation, die Europa vor dem Nationalsozialismus gerettet hatte, verbündete sich mit den USA im sogenannten «Kalten Krieg» gegen die «BöFei» (Bösen Feinde) Russland oder das damalige Mao-China, gegen den Kommunismus, DIE grosse Gefahr, DAS grosse Feindbild.

Und heute? Die heroische Nation USA hat ihre Kraft verloren. Wie es aussieht, hat der damalige BöFei Russland seine Krallen gewetzt und lässt sie nun raus. Und China? Die kaufen still und heimlich die Welt auf: Einzelne Firmen in Europa, riesige Ländereien in Afrika und Südamerika. Sie können sich still und heimlich ausruhen und dies dank der Medien. Die Schlagzeilen, der Blick der Welt ist auf die Brandherde gerichtet und – ach herrje – auf diese für mich peinlichen Wahlen in den schwachen USA.

Nicht ganz ernst zu nehmende psychologische Analyse

Was hat das jetzt mit dem menschlichen Verhalten zu tun, das ich eingangs erwähnt habe? Hier eine nicht ganz ernst zu nehmende psychologische Analyse mit vielleicht doch einem Körnchen Wahrheit?

Wir lächeln über den altersschwachen Biden und regen uns über den gestörten Trump auf oder lassen Xi Jingping links liegen. Und genau hier setzt meine augenzwinkernde Typenanalyse an. Sind Biden und Trump und Xi Jinping sozusagen die Prototypen einer besonderen menschlichen Spezies? Beobachten wir nicht rundum in unserem Alltag diese Homo Bideniensis, Homo trumpensis oder Homo Jingpingiensis?

Betrachten wir doch mal den Homo Bideniensis, nicht wegen der Senilität, sondern wegen dieser Lethargie, Gleichgültigkeit und Schlappheit. Diese Spezies vermeidet es mit all den noch zur Verfügung stehenden Kräften aus der Komfortzone herauszukommen, was ihm bei genauer Beobachtung eine Art roboterhafte, emotionslose Unnahbarkeit verleiht. Er lebt vor sich hin, wie in einem Kokon. Er kommt da nicht raus und kann sich nicht engagieren oder sich einbringen. Und versucht er mal einen wackeligen Schritt, um eine Meinung zu äussern – meist eher fehl am Platz, weil er im Kokon die Realität nicht verstehen kann – fällt er kraftlos in sich zusammen und stolpert über seine eigenen Füsse. Alles, was ihn in seinem Kokon stören könnte: Engagement, sich als Mensch einbringen, auf andere zugehen, wird blockiert. Eine typische Verhaltensweise des Homo Bideniensis kann man beispielsweise bei sozialen Medien beobachten: Dieser Typus zeichnet sich durch ein Unvermögen aus, an ihn gerichtete Nachrichten zu beantworten. Es geht einfach nicht. Der Homo Bideniensis ist der Protoytyp des Ghosters (Ghosting kommt vom englischen Wort Ghost für Geist, macht sich unsichtbar, bricht wortlos den Kontakt ab).

Ach herrje, und der Homo Trampiensis? Im Grunde sind es extrovertierte Bideniensis. Der Trampiensis stellt sich als Person aktiv als unfehlbar, überlegen und allwissend dar, während der Bideniensis dies von sich selber – abgeschottet in seinem Kokon – hält. Für den Trampiensis ist dabei alles erlaubt: Lügen, Betrügen, Anklagen, alles so drehen, dass es immer der andere ist, der fehlerhaft ist und wenn es nur darum geht, ob das Gegenüber eine Glatze hat oder Erdbeeren liebt. Klingt irr und weit hergeholt … und genau das ist auch seine Vorgehensweise. Der Trampiensis ist ein hervorragender Gaslighter  (abgeleitet vom Film «Gaslight», in dem ein Mann seine Frau in den Wahnsinn treibt). Er beherrscht die Kunst andere an ihrer Wahrnehmung zweifeln zu lassen, bis sie völlig desorientiert und verwirrt sind. Gaslighting gehört übrigens zur psychologischen Kriegsführung mit Meinungsmanipulation und Propaganda … was wir ja auch tagtäglich, ja stündlich im virtuellen Netz erleben.

Sie merken: Hinter dieser «psychologischen» Analyse steckt ein Augenzwinkern. Ein wahres? Zynisches? Bitteres? Trauriges?

Hier verschwindet aber mein Augenzwinkern

Wenn ich jetzt vom Homo Jingpingiensis schreibe, dann hört das ein wenig Herumalbern auf. Die Methode dieser Spezies ist: Abwarten, machen lassen, die Verunsicherungen durch die beiden anderen Typen mit Genugtuung beobachten und am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt eine Meinung oder Drohung einfliessen lassen. Dem Jingpingiensis kommen all die Verhaltensweisen von Trumpiensis und Bideniensis gerade recht. Diese verunsichern die Menschen, die Gesellschaft. So kann er still und leise im Untergrund, im Hintergrund seine Ziele verfolgen. Der Homo Jingpingiensis erfreut sich über all die erfundenen und erlogenen Machenschaften, die Worte und Taten der Spaltung statt der Gemeinsamkeit oder auf der andern Seite die Lethargie und dieses «laisser faire». Dieser ungesunde Nährboden ermöglicht dem Homo Jingpingiensis ein unsichtbares Netzwerk, ein Wurzelwerk wie beim Hallimasch auszubreiten. Unsichtbar. Unheilvoll. Wenn es dann zu Tage tritt, ist es zu spät, sowohl im privaten und ganz persönlichen Umfeld wie auch im gesellschaftlichen, demokratischen Zusammenleben. Und es spriesst bereits …

Wie geht man damit um?

Was tun, wenn man sich zu keiner der erwähnten Spezies zugehörig fühlt? Ich erkühne mich da nicht Lösungen zu haben, vor allem in Bezug auf das Weltgeschehen nicht. Wenn ich im Alltag mit diesen Typen konfrontiert werde, dann reagiere ich immer emotional … entweder werde ich depressiv oder aggressiv. Keines ist eine ideale Lösung. Ignorieren scheint mir auch nicht angebracht. Man rutscht dann sehr schnell in die Bideniensismethode ab. Ja, möglicherweise wäre es hilfreich, Fragen zu stellen: Warum sagst du das? Ich verstehe dich nicht ganz. Erkläre es mir. Geht es dir gut? Was möchtest du damit genau sagen? Vielleicht sind diese sachlich gestellten Fragen eine Lösung im Umgang mit diesen beiden Typen. Ich weiss es aber ehrlich gesagt nicht sicher. Nur eines noch, was manchmal hilfreich sein könnte. Man vergisst nämlich manchmal ein besonderes Gewürz: Eine Prise Humor und ein herzhaftes Lachen.

Und mit den vielen Würzelchen im braunen Erdboden still und heimlich und unaufhörlich sich verbreiternd und verzweigend? Diskussion? Fragen stellen? Vielleicht. Ernst nehmen auf jeden Fall. Sich zusammen tun, gemeinsam ein Zeichen setzen und so den aus diesem Wurzelgewächs erstarkenden Pflänzchen die Kraft, das Licht nehmen, damit sie nicht weiterwachsen. Aufhören, sich ohnmächtig zu fühlen. Ich denke im Kleinen kann man viel erreichen. Aber das muss auch ich noch lernen und mich nicht depressiv verkriechen.

Mir ist bewusst, dass meine Überlegungen etwas plakativ sind. Ja, das gebe ich zu. Ich möchte bei mir aber versuchen, die Gene eines Homo Bideniensis oder Trumpiensis zu erkennen und unschädlich zu machen … ja, und dabei den Humor nicht vergessen … der hilft auch dem Homo Trampiensis und dem Homo Bidensiensis. So hoffe ich.

In diesem Sinne freundliche Grüsse

Iris Minder

2 Kommentare

  1. Liebe Iris, perfekt analysiert – ich bin mit dir in jedem Punkt einverstanden und zu den gleichen Resultaten gekommen, habe nicht resigniert aber eine für mich allein geltende Regel aufgestellt: Bleib tagtäglich neugierig auf alles, geniesse jeden Moment total, lass dich von den Medien nie verunsichern, bilde dir eine eigene Meinung und handle anschliessend danach … so komme ich momentan sehr gut mit der äusserst prekären Weltsituatution zurecht … herzlichste Grüsse vom Inselchen …

  2. Liebe Iris, vielen Dank für diesen tiefgründigen und zum Nachdenken anregenden Blogbeitrag. Dein Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte und die Veränderungen in der Wahrnehmung globaler Mächte bietet eine faszinierende Perspektive auf die Dynamiken der Weltgeschichte und die Rolle individueller Akteure innerhalb dieser Prozesse.

    Besonders beeindruckt hat mich Deine kreative Verwendung von Satire und Humor, um komplexe geopolitische Themen zugänglicher zu machen. Die metaphorische Einteilung in „Homo bidensiensis“, „trumpensis“ und „Jingpingensis“ eröffnet nicht nur eine humorvolle, sondern auch eine kritische Betrachtungsweise der aktuellen politischen Landschaft und des menschlichen Verhaltens.

    Abschliessend möchte ich sagen, dass Dein Beitrag einen wichtigen Dialog über die Verantwortung jedes Einzelnen in der heutigen Welt anstösst. Es erinnert uns nämlich daran, dass Geschichte nicht nur von grossen politischen Figuren geschrieben wird, sondern auch von uns!

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